„Du sammelst auch alles!“
„Nein“, antwortet Karl ruhig und entschieden, „meine Fußspuren nicht“ und dann beginnt er von dem eigenartigen Mann zu erzählen, der ihm begegnet war.
Es war am Meer; Karl hielt inne und betrachtete seine Spuren im Sand; sie waren tief, hatten Kraft gekostet, es hatte ihm Spaß gemacht dort zu gehen.
Dann geht er dort wo es einfacher ist. Mit einem Male ist jemand neben ihm. Sie grüßen und nach einer Weile beginnen sie zu erzählen, erst wenig und dann mehr und mehr. Sie verstehen sich. Der Fremde wird immer weniger fremd; er sammelt auch alles. Mit einem Male bleibt er stehen und erklärt, er müsse seine Fußspuren einsammeln, damit er sich jederzeit auf den Schritt genau an diese Strandwanderung erinnern kann; wenn er das will.
Dann dreht er sich um und beginnt, den halben Kilometer zurückzugehen. Er hat einen Rucksack mit, der aber nicht schwer wirkt. Er bückt sich auch nicht, sondern sein Wille und eine Geste mit der Hand reichen aus, und die Fußspur ist im Rucksack. Der aber wird nicht schwerer. Was ist das für ein Verfahren?
Karl amüsiert sich über seine Idee, auf der Terrasse einer Penthousewohnung in Form einer auf der Spitze stehenden Pyramide, alles sammeln zu können; also nach und nach das ganze Universum. Und wenn dann was fehlt, hat er den indirekten Beweis erbracht, daß er nicht alles sammelt.
Der Geheimnisvolle kommt zurück; er geht schneller. Er sammelt nicht. Karl geht weiter, sieht sich ab und zu um. Dann ist der Sammler wieder dort, wo die beiden sich trennten. Er hat jetzt zwei Reihen von neuen Spuren hinterlassen. Doch das sind Sekundärspuren, die dem Einsammeln dienten und nicht fürs Erinnern notwendig sind.
Jetzt beginnt der Sammler seinen zweiten halben Kilometer, Karl aber seinen vierten. Beide können einander gerade noch erkennen.
Karl denkt an sein Haus voller Erinnerungsstücke. Er wandert zehn Kilometer und wartet.
Karl ist ihm nie wieder begegnet.
Er hörte noch einige Male von ihm; dann nichts mehr. Und schließlich hieß es, er habe die Lust am Leben verloren und sich einfach aufgelöst, weil die Mühe um die Vergangenheit seine Gegenwart auf ein Drittel verkürzt hatte.